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Es mag sein, dass die Aussagen, die mit der unterhaltungswissenschaftlichen Methode getroffen werden, auf den ersten Blick spekulativ erscheinen. Man vergisst bei einer derartigen Diagnose, dass die Spekulation seit jeher die Grundlage der Wahrheit ist und das Spekulative selbst die so genannte „materielle Wirklichkeit“ von Grund auf durchzieht.

Nach dem ursprungsspekulatorischen Zeitalter des Mythos, machtspekulatorischen Zeitalter der Magie, dem verschwörungsspekulatorischen Zeitalter der Religion, dem wissenschaftsspekulatorischen Zeitalter der Evolutionsbiologie und der Quantenpyhsik ist auch heute noch, im finanzspekulatorischen Zeitalter des digitalen Börsenkapitalismus, die Spekulation die härteste Währung, die in dieser Gesellschaft kursiert: Die Spekulation ist das allgemeine Äquivalent im Produktionsprozess des Weltverstehens.

Die Produktion von Wahrheit ist kein reflexiver, sondern ein projektiver Akt. Wenn man Wirklichkeit als Wirksamkeit begreift, also als das, was Menschen effektiv für wirklich erachten, wird klar, dass die auf Spekulation ausgerichtete Unterhaltungswissenschaft nichts Geringeres als die Fortführung einer zentralen abendländischen Tradition darstellt, die sie – ihr ureigenstes Strukturgesetz enthüllend und zu Markte tragend – auf ihr innerstes Wesen bringt: Was wirklich ist, ist wahr.

Institut für Theoriekultur